Im Rahmen des deutsch-tschechischen Jugendprojekts „Begegnungen im globalen Dorf?!“ kamen Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Sušice und der Realschule Bad Kötzting vom 19. bis 23. Oktober 2026 zu einer gemeinsamen Begegnungswoche zusammen. Ziel war es, persönliche Kontakte zu ermöglichen, sprachliche und kulturelle Barrieren abzubauen, die gemeinsame Geschichte des bayerisch-böhmischen Grenzraums kennenzulernen und die Zusammenarbeit in binationalen Teams zu fördern. 

Zu Beginn standen das gegenseitige Kennenlernen, die Orientierung in der Jugendbildungsstätte und die gemeinsame Abstimmung der Erwartungen im Mittelpunkt. Durch Kennenlernspiele, die Gestaltung gemeinsamer Wappen in deutsch-tschechischen Kleingruppen und abwechslungsreiche Sprachanimationen entstand eine Grundlage für die weitere Zusammenarbeit. Die Sprachanimation griff lebensnahe Themen wie Begrüßungen, Obst, Farben, Empfindungen und Schulmaterial auf. Spielerische Übungen ermöglichten es den Jugendlichen, erste Wörter und Redewendungen der jeweils anderen Sprache kennenzulernen und ohne Leistungsdruck anzuwenden. Schnelligkeitsspiele wie „Fanta-Cola-Sprite“ sowie das Chaosspiel dienten dazu, neues Vokabular einzuüben, Wissen über das Nachbarland zu erweitern und die Kommunikation innerhalb der gemischten Gruppen zu stärken. 

Ein besonderer Bestandteil war der gemeinsam von den Jugendlichen gestaltete deutsch-tschechische Kulturabend. In Gruppen bereiteten die Teilnehmenden verschiedene kulturelle Beiträge vor und stellten ihre Schulen sowie Traditionen und Freizeitinteressen vor. Das Programm umfasste unter anderem Maßkrugstemmen, Fingerhackeln, Schuhplattler, Maibaumaufstellen und „Mensch ärgere dich nicht“. Die tschechischen Teilnehmenden präsentierten typische Spezialitäten, bekannte Interpreten wie Karel Gott, zeitgenössische jugendtypische Musik und Folkloretänze. Der Abend bot Gelegenheit, kulturelle Besonderheiten unmittelbar zu erleben, Gemeinsamkeiten zu entdecken und Unterschiede mit Interesse und Offenheit kennenzulernen. 

Ein weiterer Schwerpunkt war die Exkursion nach Domažlice am 21. Oktober 2026. Dort besuchte die Gruppe das Museum beziehungsweise die Ausstellung „Achtung, Grenze! Pozor hranice!“ im Kulturzentrum Pivovar Domažlice, die wichtige Etappen der gemeinsamen Geschichte des bayerisch-böhmischen Grenzraums vermittelt. Ergänzt wurde der Besuch durch einen Stadtrundgang mit Führung und Besichtigungen des Chodenturms, der Dekanatskirche Mariä Geburt, der Stadtmauer und der Burg. Bei einer praktischen Übung ermittelten die Jugendlichen anhand ihrer Fußlängen den Abstand zwischen den Außenmauern. Auf diese Weise wurden Geschichte, Architektur und regionale Besonderheiten anschaulich und aktiv erfahrbar. 

Im Anschluss arbeiteten die Jugendlichen in binationalen Teams an eigenen kreativen Projekten. Die Themen aus Geschichte, Gegenwart und Zukunft wurden mit unterschiedlichen Medien und Ausdrucksformen umgesetzt. Dazu gehörten Podcasts, Stop-Motion-Filme, Collagen, Trailer, Theaterstücke, Fotostorys und Videos sowie künstlerische Ansätze mit Bezug auf Canova. Die Ergebnisse wurden am 22. Oktober präsentiert. Die gemeinsame Arbeit förderte Kreativität, Medienkompetenz, Teamfähigkeit, Eigenverantwortung und die Fähigkeit, trotz sprachlicher Unterschiede gemeinsame Lösungen zu entwickeln. Am 23. Oktober bildeten die Reflexion, die Evaluation und der gemeinsame Abschluss den Abschluss der Begegnung. 

Das Projekt stärkte die interkulturellen Kompetenzen der Teilnehmenden, förderte die Bereitschaft, die Sprache des Nachbarlandes zu verwenden, und ermöglichte persönliche Begegnungen jenseits des schulischen Alltags. Für die deutsch-tschechischen Beziehungen leistete die Begegnung einen Beitrag zu gegenseitigem Verständnis, Offenheit und grenzüberschreitender Verständigung. Die Zusammenarbeit zwischen dem Gymnasium Sušice und der Realschule Bad Kötzting bietet eine Grundlage für weitere gemeinsame Aktivitäten und Austauschprojekte. 

Die Fahrt wurde durch den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds gefördert und zusätzlich von Tandem sowie der Jugendbildungsstätte Waldmünchen mitfinanziert. Die Jugendbildungsstätte übernahm im Rahmen des Pilotprojekts insbesondere die Kosten für die Fahrt nach Domažlice und das dortige Programm. Diese Unterstützung ermöglichte es, den sprachlichen, kulturellen und historischen Austausch durch eine grenzüberschreitende Exkursion zu ergänzen. 

Die Begegnungswoche verdeutlichte, dass gemeinsames Lernen, kreative Zusammenarbeit und persönliche Kontakte wesentliche Voraussetzungen für eine nachhaltige deutsch-tschechische Partnerschaft sind. Die entstandenen Erfahrungen und Kontakte bieten gute Anknüpfungspunkte für zukünftige Begegnungen und eine langfristige Zusammenarbeit der beteiligten Schulen. 

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