„Heutzutage ist im Berufsleben ständiges Lernen, selbstständiges Fortbilden und flexibles sowie kreatives Denken und Verstehen essenziell!“
Die Realschule der Pfingstrittstadt hatte wiederholt zum Elternabend für die 9. und 10. Jahrgangsstufe zum Thema „Vom Realschulabschluss zum Studium“ eingeladen.
Organisiert von Frau BerRin Ina Krause begrüßte Schulleiterin Sabine Schmid in der gut gefüllten Realschulaula nicht nur Eltern der Neunt- und Zehntklässler der Realschule der Pfingstrittstadt, sondern auch eine überaus große Schülerschaft sowie die Referentinnen und Referenten.
Frau StRin Anja Nichtl, Beratungslehrerin der FOS/BOS in Cham, informierte über die „beiden Schulen unter einem Dach“. Mit der FOS/BOS wurde ein Schultyp etabliert, der Schülerinnen und Schüler mit mittlerem Schulabschluss und/oder abgeschlossener Berufsausbildung zum Fachabitur, zur fachgebundenen oder allgemeinen Hochschulreife führt. Je nach Abschluss ist damit ein Studium an jeder Fachhochschule oder Universität möglich.
Dem Fachabitur schreibt Beratungslehrerin Nichtl zwei Vorteile zu: Einerseits bereite die Fachrichtung auf einen entsprechenden Studiengang vor, andererseits habe man, unabhängig von der FOS/BOS-Ausbildungsrichtung, freie Wahl im Hinblick auf alle Hochschulstudiengänge. Seit dem Schuljahr 2019/2020 besteht zudem zwischen der FOS und der Realschule der Pfingstrittstadt eine Kooperation, die es der Lehrerschaft beider Schularten ermöglicht, sich noch enger zu vernetzen und damit unseren Schulabgängern einen optimalen Start an der FOS bietet.
Eine weitere Möglichkeit, eine Studieneignung zu erlangen, beschrieb Herr StD Markus Hartl, Beratungslehrer am Robert-Schuman-Gymnasium in Cham. Seit vielen Jahren gibt es dort eine Einführungsklasse. Diese (E11) ist eine „besondere 11. Klasse“, die Schülerinnen und Schülern mit einem mittleren Bildungsabschluss den Zugang in die Oberstufe (Q12 und Q13) ermöglicht. Schüler erwerben in diesem einen Jahr die „Oberstufenreife“ und können dann zur hochwertigen Allgemeinen Hochschulreife am Gymnasium gelangen. In der E11 werden inhaltliche Unterschiede ausgeglichen, gymnasiale Arbeitsformen eingeübt und die Grundlagen der notwendigen zweiten Fremdsprache erlernt. So wird gezielt auf die letzten beiden Jahre am Gymnasium vorbereitet. Mit diesem Abschluss ist ein Studium an jeder Universität möglich.
Seiner Erfahrung nach sind Realschüler sehr motiviert, wenn sie sich für diesen Weg entscheiden. Außerdem bringen sie Prüfungserfahrungen mit und zeigen in Bereichen des selbstständigen Lernens und Erarbeitens eine reife Einstellung.
Die Veranstaltung endet immer mit einem Praxisbaustein, wenn möglich berichten ehemalige Kötztinger Realschüler über ihren beruflichen Werdegang.
Ein absolutes Novum in diesem Jahr: Hanna Amberger, momentan an der FOS 12 im Technikzweig und Ihr Vater, Herr Michael Amberger, ebenfalls ehemaliger FOS-Schüler mit absoluter Präferenz für Technik, referierten äußerst kurzweilig und anschaulich.
Schon während ihrer Realschulzeit zeigte Hanna eine gesteigerte Vorliebe für Mathematik und Physik, sie traute sich da aber die Wahlpflichtfächergruppe I nicht zu. Selbstbewusster durch einen ausgezeichneten Realschulabschluss in der Tasche, wählte sie an der FOS den Technikzweig. Begeistert berichtete sie von ihrem Praktikum in der Handwerkskammer, welches alle Techniker im 14-tägigen Rhythmus durchlaufen. „Ich hatte vorher keine Ahnung vom Handwerk, von Holz-, Metall- und Sanitärarbeiten. Man kann sich ausprobieren und wird förmlich von den Lehrkräften an die Hand genommen“, so Hanna über ihre Zeit in der Handwerkskammer. Immerhin leistete sie dort 635 Gesamtstunden und sie kann sich nun bei handwerklichen Aufgaben im Haushalt, z.B. bei einem verstopften Abfluss, selbst helfen. Nach der FOS 13, dies peilt sie als Ziel an, möchte sie eventuell Elektrotechnik studieren.
Ihr Vater ist 48 Jahre, hat nach dem Grundwehrdienst und einer Ausbildung zum Elektroinstallateur Elektrotechnik studiert. Sein Studium bezeichnete er als äußerst anspruchsvoll. Technische Herausforderungen hat Herr Amberger immer geliebt und so machte er seine Neigung und sein Hobby zum Beruf. Bei der Firma Zollner ist er in der Elektronikentwicklung tätig. Das Aufgabengebiet ist vielfältig, denn alle 3 bis 4 Jahre muss er sich in ein komplett neues Thema einarbeiten, momentan beschäftigt ihn die KI. Mittlerweile ist er schon lange Fachbereichsleiter. „Eine gute Ausbildung und danach ein ständiges Weiterbilden sind essenziell, um auf dem Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben. Wer meint, mit der Schulzeit ist das Lernen abgeschlossen, der täuscht sich gewaltig“, so Amberger.
„Eine rundum gelungene Veranstaltung mit interessanten Referenten“, lobte im Anschluss die Schulleiterin Frau Sabine Schmid. „Damit haben wir unseren Schülerinnen und Schülern und deren Eltern Möglichkeiten aufgezeigt, mit dem Realschulabschluss die Hochschulreife zu erlangen und zu studieren.“ Schließlich haben im vergangenen Schuljahr 26 Schulabgängerinnen und Schulabgänger einen von den beiden Wegen gewählt und besuchen jetzt die FOS oder das Schuman-Gymnasium.


