Seit September 2025 sind sie nun schon Schülerinnen und Schüler einer Schule mit dem besonderen Profil „Inklusion“. Was Inklusion heißt und wie dieses Thema an der Realschule der Pfingstrittstadt gelebt wird, darüber machten sich die Fünftklässler in einigen FIT-Stunden (Fit im Team) Gedanken.

Nun konnten sie vor den Faschingsferien einen besonderen Projekttag rund um die Themen Beeinträchtigung, Inklusion und Vielfalt erleben. Im Fokus lagen dabei die Handicaps Hören und Sehen sowie die körperlichen Einschränkungen im hohen Alter.

Mit Hilfe von Tamara Kager, Leiterin der Offenen Behindertenarbeit (OBA) in Cham konnten zwei Betroffene, Manuela und Katharina, für diesen Tag gewonnen werden. Aus erster Hand berichteten sie, wie sie ihren Alltag meistern – und welche Barrieren ihnen dabei begegnen.

Manuela hat eine Sehbehinderung, die vor ca. 6 Jahren zur vollständigen Erblindung führte. Sie musste schnell lernen, ihr Leben neu zu organisieren. Dabei ist sie auf Menschen wie ihren Mann oder die Mitarbeiter der OBA angewiesen sowie auf Hilfsmittel, die ihr weitestgehende Selbstständigkeit ermöglichen.  Für unsere Fünftklässler hatte sie zum Beispiel Messlöffel dabei, die zeigen, wie sie beim Kochen unterschiedliche Mengen abmessen kann. Auch, wie man mit einem Blindenstock umgeht, erklärte sie. Und bald darauf tastete sich ein jeder durch das Klassenzimmer, wobei Schultaschen, Stühle und andere Hindernisse eine Art Parcours darstellten. Dabei merkten die Schülerinnen und Schüler schnell, wie sehr man sich auf andere Sinne verlassen muss. Manuela berichtete zudem aus ihrem Alltag und beantwortete geduldig die vielen Fragen der neugierigen Fünftklässler. Besonders ihre freudige Art, ihr Leben zu genießen und der Einschränkung zu trotzen, kam bei den Zuhörern an.

Ebenso beeindruckend war die Station zur Gehörlosigkeit. Katharina, eine junge Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern, ist von Geburt an gehörlos. Da Tamara die Gebärdensprache beherrscht und übersetzte, gelang die Kommunikation zwischen Katharina und der Schülerschaft. Sie erfuhren, was sie beim Umgang mit Gehörlosen beachten sollten, und waren erstaunt darüber, dass es hier genauso verschiedene Sprachen und sogar Dialekte gab. Geduldig brachte ihnen Katharina das Alphabet in Gebärdensprache bei, sodass jeder sich mit seinem eigenen Vornamen vorstellen konnte. Die Begegnung mit ihr machte deutlich, wie wichtig nonverbale Kommunikation und gegenseitige Rücksichtnahme sind.

Ein weiterer Höhepunkt war die dritte Station, der Alterssimulationsanzug und der Tremorapparat. Ausgestattet mit Gewichten an Beinen, Armen und Oberkörper, zudem mit eingeschränkter Sicht durch eine spezielle Brille, versuchten die Kinder, Treppen zu steigen oder einfache Bewegungen auszuführen. Viele stellten überrascht fest, wie anstrengend alltägliche Aufgaben werden können, wenn der Körper nicht mehr so mitmacht wie gewohnt. Das unwillkürliche Muskelzittern der Hände von älteren Menschen konnte mit einem Tremorgerät simuliert werden. Daran angeschlossen wurde das Herausmanövrieren von Gummibärchen aus einer kleinen Tüte zu einer Sisyphus-Aufgabe. Die Schülerinnen und Schüler berichteten im Anschluss, wie ihre Urgroßeltern bzw. Großeltern mit ihren jeweiligen altersbedingten Einschränkungen zurechtkommen müssen und wie sie diese im Alltag unterstützen.

Der Projekttag bot den Schülerinnen und Schülern nicht nur spannende Einblicke, sondern förderte auch Empathie, Verständnis und Respekt. Mit vielen neuen Eindrücken und Erkenntnissen gingen die Fünftklässler nach Hause – und mit dem Gefühl, dass Vielfalt unser Zusammenleben bereichert.

Wir danken Manuela und Katharina für ihre Bereitschaft, den Tag mit uns aktiv zu gestalten. Ein besonderer Dank geht an Simon Pux und Tamara Kager von der OBA. Seit einigen Jahren unterstützt uns die OBA mit ihrer Expertise, damit solche Projekte gelingen.

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